ÜBER DAS THEATER Das Interesse für das andere Theater, das Theater ohne Kulissen und Requisite, dass ist das, was Milan Pitlach zum Fotografieren des Schauspiels brachte. Das Theater Kresadlo mit Stücken, die von Nina Vangeli inszeniert wurden, die Vorstellungeng der Studenten der Theaterakademie in Pilsen besuchte er im Jahre 1978 als Zuschauer. Er hat diese Vorstellung detailliert aufgenommen, weil er da die gleiche Materie fand, mit der er sich auch sonst auseinandersetzte. Zuerst in England 1970, später bei seinen Reisen nach Indien, nämlich mit dem freien und wehrlosen, spontanen und unterworfenen Menschen, mit dem Individuum, dass sich inmitten der fesselnden Umstände durch eigene Aktion befreit. Einatmen und Ausatmen. Erheben und Abgleiten, Schreiten und Schluchzen, Aufstieg und Fall. Diese Form des Theaters hat ihm derartig interessiert, das er ähnliche theatralische Erlebnisse suchte. Jano Sedal hat ihm auf ein Theaterfestival in Breslau aufmerksam gemacht. Was Milan Pitlach in England bei Pop-festivals begegnete, passierte auch hier. Auch hier entdeckte er eine neue Welt andere Inhalte und Verbindungen, ohne nationale Begrenzungen und konforme Schranken. Er wählte einen anderen kompositorischen Weg: ohne Horizont, quasi ohne dritte Dimension, so dass die Masse von Menschen, oder in anderen Bildern, die Komposition der Figuren auf dem dunklen Hintergrund eine Freske bilden, ein Netz, das die Handlung unterstützt. Wie später in seinen Fotos aus Indien stört er hier die Gesetze der Beziehungen zwischen Raum und Fläche, Horizontale und Vertikale. Die Pitlach´sche Poetik des expressiven Erlebnisses in ästhetischer Transformation projeziert sich in seinen Fotografien des Theaters. Er versteht sie als Metamorphosen der Welt und des Lebens in die szenische Darstellung, die dann zurück in der weltlichen Kontext kehrt. Anna FarovaJuni 1995 

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